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Börsenzyklen: Verräter der Zukunft?
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Das Buch "Die Weltwirtschaftskrise 2010 - 2014" prognostiziert mittels technischer Analyse das im Titel verheißene Katastrophenszenario. Die technische Analyse wird auf Charts angewandt, welche Zyklen veranschaulichen. Unterschiedliche Börsezyklen sind angeführt um die Zukunft von DAX, DJ, Zinsentwicklung, Dollar und Yen zu beschreiben. Ebenso argumentiert der Autor Ansichten, die eigenen, zur globalen Gesellschafts- und allgemeinen Wirtschaftspolitik und -entwicklung, selbst zur zukünftigen Umweltsituation.
Wie praktisch doch Börsenzyklen sind: "Börsenzyklen verraten die Zukunft", lautet ja der Untertitel.
Die Auswahl der Zyklen wirkt willkürlich und ist subjektiv im Sinne einer Manipulation zur Beweisführung, wegführend von Kritik: Die Argumentation kruder gesellschaftspolitischer Platitüden und wirtschaftspolitischer Allgemeinplätze wird gestützt durch beliebige Heranziehung und Anpassung der Dauer von Zyklen, denen, die gerade für die jeweilige Behauptung zupaß sind, während jene, welche eventuell die Argumentation widerlegen würden, unerwähnt bleiben, einige der wichtigsten Zyklen fehlen überhaupt (Kontratjew, Kitchin, Spiethoff, Kuznet, Juglar, siehe Schumpeter, "Business Cycles", 1939, und Dewey, "Cycles: The Mysterious Forces That Trigger Events", 1973). Die angeführte Zyklenargumentation entbehrt jeder Grundlage der Zeitzyklenanalyse (Hurst, "The Profit Magic of Stock Transactions Timing", 1970): Zyklusdefinition aufgrund der Wiederholung von Hochs und Tiefs, Zyklusamplitude, Zyklusperiode, Zyklenphasen aufgrund der Beziehung zwischen Zyklen. Vergangene Ereignisse (auch sehr weit zurückliegende) werden aus dem Zusammenhang gerissen zur polemischen Untermauerung zukünftiger, welche dann doch nicht soweit in der Zukunft liegen, trotzdem es dem Autor nicht möglich war, die weltweiten Kurseinbrüche zu Beginn 2008 auch nur ansatzweise in der börsenzyklischen Kristallchartkugel zu erahnen, stattdessen der Autor dem September 2007 ein Tief, wie überraschend - wie überraschend obligat, weissagte (auf welches dennoch eine beachtliche Globalhausse bis zum erwähnten Einbruch 2008 folgte). Nicht allzuweit, nicht allzu präzise Vorhersagen zu machen ist auch keinesfalls die Intention des Autors, dient doch das ganze (immerhin schmale, immerhin teure, immerhin nicht werte) Papiervolumen als Werbebroschüre für desselben Autors "Börsezyklen"-Abonnementdienst. Zitat auf Seite 157: "Genauere Informationen erhalten Sie beim Erscheinen der Jahresprognose "Börsezyklen 2009". Dort sind dann auch kürzerfristige zyklische Trendwendetermine aufgelistet." (Zitatende).
Die Qualität der Graphiken und Tabellen ist günstigstenfalls als mangelhaft, jedenfalls als dilettantisch zu bezeichnen, was aber dem allgemeinen "Typoskript"-Eindruck keinen Abbruch tut. Sensations-Inhalt und Boulevardpresse-Sprachstil nähren Zweifel an der Kompetenz des Autors, lassen jedoch keinen Zweifel über dessen Absicht und veranschaulichen drastisch das Kapitel "Vermögensumverteilung" (Seite 11), sofern man dieses Elaborat pekuniär erworben hat.
Grundsätzlich verwundert nicht, daß kein seriöser Fachverlag dieses "Werk" editierte, sondern der Autor im Quasi-Selbstverlag: "Books on Demand" veröffentlich jede Vorlage, jedes Manuskript: "Ob Roman, Gedichtband oder Ratgeber - bei BoD verwirklichen Sie Ihren Traum vom eigenen Buch einfach und schnell." (Werbetext).
Da die Vergabe von keinem Stern in der Bewertung nicht vorgesehen ist, sei der verpflichtende eine hiermit gegeben.
Eine Rezension von Hubert Kraill > Wien
vom 19. März 2008 |